Die Städtepartnerschaft Kölns mit Liverpool ist die älteste, die bis ins Jahr 1952 zurückreicht. Bedeutsam für diesen Anfang war eine Fronleichnamsprozession 1948 in Liverpool, an dem ein junger Priester (und späterer Erzbischof von Liverpool) Derek Worlock teilnahm und die Kontakte zu den Kölnern herstellen konnte. Worlock sah diese Begegnung als Symbol und auch als Schritt zur Versöhnung der Nationen, da auch Liverpool so viel Leid zugefügt worden sei.
Ein wichtiger Baustein und Symbol der ökumenischen Partnerschaft zwischen den Kirchen beider Städte sind ihre Kathedralen. Das ist besonders am Dreikönigsfest oder Epiphanie der Fall. Im Rahmen eines liturgischen Gottesdienstes, bei dem Hunderte Kinder als Weisen verkleidet kommen, wird der lateinische Segen Christus mansionem benedicat – Gott segne dieses Haus – auf die Eingänge der beiden Liverpooler Kathedralen geschrieben. Alle zwei Jahre übernimmt eine Gruppe von Sternsingern aus Köln diese Aufgabe.
In beiden Städten dienen die Kathedralen als Orte der Identifikation und Integration ihrer Bewohner sowie als Symbole und Wahrzeichen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Alle drei Kathedralen haben eine besondere Anziehungskraft für Touristen aus aller Welt. Kathedralen unterscheiden sich von Museen und öffentlichen Denkmälern durch das liturgische und geistliche Leben in ihnen. Sie sind darüber hinaus Orte des kulturellen Gedächtnisses des Einzelnen und der Gesellschaft, sie sind Orte des Bewusstseins und der Identität. Die Dome in Köln und Liverpool repräsentieren nicht nur die großen Gotteshäuser in europäischen Städten, sondern weisen auch auf die gemeinsamen Wurzeln Europas hin, die viel älter sind als unsere heutigen Nationalstaaten. Die Domkirchen stehen für Werte und Überzeugungen, die über rein wirtschaftliche Interessen hinausgehen, die so oft in den Vordergrund treten. Sie spiegeln die gemeinsame Geschichte und Kultur Europas von der Spätantike bis zum Mittelalter wider. Der Beginn des modernen Prozesses der Vereinigung Europas markiert ebenso das Ende einer langen und schmerzhaften Geschichte von Kriegen, die tiefe Wunden hinterlassen haben. Auf diese Weise erinnern die Kathedralen Europas sowohl an diese schrecklichen Tragödien als auch an das Streben nach Versöhnung, in dem sich die Menschen – sowohl geistig als auch politisch – für Frieden, Freiheit, Verständigung und Würde entscheiden. Bei der noch nicht realisierten Vereinigung Europas haben die Dome von Köln und Liverpool eine einzigartige und wichtige Rolle zu spielen, da die christliche Kirche die beiden Ideale der Vielfalt und Solidarität zu verteidigen und zu vermitteln sucht.
Quelle: Mary Kollak